tut anch amun in wien.
die alten ägypter haben mich immer schon fasziniert. zwar bin ich keine ägyptologin, nähere mich dem thema also nicht hochwissenschaftlich, aber es fasziniert eben. ein besuch in ägypten - vor vielen, vielen jahren geplant - fiel leider den damaligen terroranschlägen zum opfer, wir buchten um. aber wenn eine ausstellung zum thema in greifbarer nähe ist, nutze ich die gelegenheit. diesmal also die tut anch amun ausstellung in wien.ich wurde von einer lieben, langjährigen freundin eingeladen und - um auch sicher karten zu bekommen - buchten wir vorab zeitfensterkarten. 12.00 uhr mittags. bezahlt wurde mit kreditkarte, von der auch schon vor besuch abgebucht wurde. mit hatten wir die kreditkarte und einen zifferncode, der am bestätigungsmail angegeben war.
an der kassa dann die erste überraschung: anhand dieses codes konnten unsere karten nicht identifiziert werden. auch name und kreditkartennummer sollten - zumindest anfänglich - nicht reichen. verzögerung trotz reservierung und unruhige menschen hinter uns. irgendwie klappte es dann doch, dass wir an unsere karten kamen.
also gleich weiter zum eingang. eine schwarz gekleidete person mit goldenem tut anch amun stick am shirt beäugte die karte und schickte uns weiter. nach einigen metern wieder eine person - in der zwischenzeit waren wir in einem von absperrbändern markiertem gang, konnten also nur mehr diesem wege folgen: die riss jetzt den kontrollstreifen von der karte - und schickte uns weiter.
nun begegneten wir abermals schwarz gekleideten personen mit gold-stick, die uns unbedingt einen audioguide aufschwatzen wollten. es wäre ja in der ausstellung nicht alles beschrieben und es gäbe da in dem audioguide infos, die man sonst nicht bekäme … es brauchte einiges an hartnäckigkeit, um die audioguides abzuwimmeln und an ihnen vorbei zu kommen. nebenbei sei bemerkt, dass der audioguide weitere € 5,- gekostet hätte … wir fanden die € 18,- pro person müssten vorerst mal ausreichen.
nach den audioguide hielt uns abermals eine schwarz gekleidete person mit goldstick auf und wollte - ein weiteres mal die inzwischen abgerissenen und in der tasche verstauten karten sehen … da begann ich zu witzeln, dass wohl einer buchstaben lesen könne, der zweite seine hände zum abreissen verwenden könne und der dritte nur ziffern lesen könne, um die uhrzeit zu kontrollieren. wir hatten ja - zeitfensterkarten.
der andrang war gewaltig und ich denke, dass die 100 karten, die für 12:00 uhr zur verfügung standen, auch verkauft waren. da der paradeösterreicher um 12.00 uhr zu mittag isst, waren es hauptsächlich touristen, die sich mit uns anstellten.
dann sollte es - endlich - in die ausstellung gehen. dachten wir. doch in einem abgedunkelten raum versperrte ein dünnes schwarzes band (ohne goldstick) den weg. wir wurden noch mit einem trailer bespielt, in dem ein paar schöne bilder aus ägypten mit ein paar belanglosen texten unterlegt, gezeigt wurden. ein schwarz gekleideter mensch mit goldstick und mikro begrüsste uns mit vielen "ähms" und "ahms" zwischen den worten und dann ging es endlich wirklich los.
die ausstellung war in der form aufgebaut, wie howard carter sich in das lange zeit unentdeckte grab vorarbeitete. die vor- und seitenkammern und dann endlich die eigentliche grabkammer. die ausstellungsstücke waren ausreichend beschriftet und auch - sehr gute idee! - an verschiedenen stellen. so konnte man einen text zum lesen finden, auch wenn mehrere menschen vor den vitrinen standen. einmal machte ich jedoch den fehler, von einer position des textes zu einer anderen zu wechseln und stellte zu meiner überraschung fest, dass die texte nicht ident waren! einmal stand "…die macht des pharaos", daneben stand "…die potenz des pharaos" … - um mich nicht abzulenken, vermied ich ab dieser erkenntnis, die texte auf deckungsgleichheit zu überprüfen. nur einmal noch fand ich einen ziemlich üblen schreib- und satzfehler hell leuchtend an die wand projiziert …
die ausstellung ist teuer gemacht. und wird auch teuer verkauft. ist es da wirklich zu viel verlangt, dass die texte passen?! geht da niemand durch, um das abschliessend zu checken?
wie immer bei solchen ausstellungen gibt es grosses gerede, ob die ausstellungsstücke denn überhaupt echt sind. ich gestehe - ich würde den unterschied zwischen einem duplikat und einem original nicht erkennen. und - wenn ich ganz ehrlich bin - ich fände es sogar pietätvoller, wenn die sarkophage und särge originalgetreue kopien wären … ist es notwendig, einen einbalsamierten magen aus einem behälter zu nehmen und (wo auch immer) zu deponieren, um den behälter in einer vitrine 1.000en von menschen zu zeigen? ist es nicht eher respektlos den einstellungen der alten ägypter gegenüber, die sich unvorstellbar viel mühe gaben, die körper ihrer pharaonen zu konservieren um sie für ihr leben im jenseits als gott bestmöglich vorzubereiten?
eines jedoch hat tut anch amun - im sinne seiner tradition - geschafft: er hat die idee seines vaters, den eingottglauben einzuführen, in der hinsicht ausbaden müssen, dass sein grab versteckt wurde und sein name sehr oft ausradiert wurde. die ägypter waren der ansicht, dass ein pharao solange existiert, solange man seinen namen kennt. all die versuche, tut anch amun´s name auszulöschen, sind gescheitert. tut anch amun ist wohl der berühmteste pharao der ganzen ägyptischen geschichte. vielleicht kann das ihn für die respektlosigkeit seinem grab gegenüber angemessen entschädigen? ich wünsche es mir!
=> tut anch amun in wien
irishwolfhound - 11. Apr, 10:14








